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Der Begriff Bandwürmer umschreibt bereits sehr bildlich, wie diese Parasiten grundsätzlich aussehen, sie erinnern in ihrer Form und Größe stark an gekochte Nudeln. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, wie den kleinen Fuchsbandwurm, der ebenfalls beim Hund auftritt. Dieser ist nur wenige Millimeter lang und sieht eher aus wie eine mehrfach eingeschnürte Wurst. Wichtiger als das Aussehen ist jedoch die Lebensweise der Bandwürmer. Für ihre Entwicklung benötigen sie immer einen sogenannten Endwirt, sowie einen oder mehrere Zwischenwirte. Der Endwirt beherbergt die ausgereiften Bandwürmer im Darm, während die Zwischenwirte von Larvenstadien - auch Finnen genannt - befallen sind. Damit sich ein Endwirt mit Bandwürmern anstecken kann, muss er einen infizierten Zwischenwirt (z.B. eine Maus) verspeisen. Aus den Finnen, die sich je nach Bandwurmart in der Muskulatur, im Gehirn, in der Leber oder anderen Organen des Zwischenwirtes befinden, entwickeln sich im Endwirt die ausgewachsenen Bandwürmer. Diese schnüren jeweils ganze, mit Eiern gefüllte Säcke ab, welche mit dem Kot an die Außenwelt gelangen. Diese Eisäcke, auch Bandwurmglieder oder "Proglottiden" genannt, können von bloßem Auge gesehen werden. Manchmal bewegen sie sich noch und kriechen aus dem Kothaufen. Innerhalb weniger Tage lösen sie sich jedoch auf und zurück bleiben Tausende von mikroskopisch kleinen Eier, welche von Zwischenwirten gefressen werden. In den Zwischenwirten schlüpfen die Larven aus den Eiern und bilden das Finnenstadium. Hunde sind in der Regel Endwirte, weil sie als Fleischfresser von Zeit zu Zeit finnenhaltige Zwischenwirte, oder zumindest Stücke davon fressen. Dies betrifft grundsätzlich Hunde, welche Mäuse jagen, oder Schlachtabfälle zu fressen erhalten. Hunde, welche aus der Büchse gefüttert werden, sind kaum je von Bandwürmern befallen. Aber es gibt auch Ausnahmen!
Dipylidium caninum: Der Bandwurm der mit den Flöhen kam
Die Glieder von Dipylidium caninum erinnern in ihrer Form an Gurken- oder Kürbiskerne. Entsprechend wird dieser Bandwurm auch Gurkenkernbandwurm genannt.
Es gibt verschiedentlich Bandwürmer, welche sich als Zwischenwirte Insekten ausgesucht haben. Dipylidium caninum, auch Gurkenkernbandwurm genannt, ist einer davon, und er benutzt Flöhe und Haarlinge für die Ausbildung des Finnenstadiums. Tatsächlich muss der Hund einen befallenen Floh oder Haarling verspeisen, um mit diesem Bandwurm angesteckt zu werden. Es findet aber keine Übertragung von Bandwurmfinnen über den Speichel des Flohs während dem Saugen von Blut statt. Im Hundedarm entwickelt sich sodann der ausgewachsene Gurkenkernbandwurm, welcher eine Länge von bis zu 80 cm erreicht. Die Bandwurmglieder mit den darin verpackten Eiern, welche der Hund mit dem Kot ausscheidet, sind nur für die Flöhe und Haarlinge ansteckend. Für den Menschen stellen sie keine Gefahr dar. Problematisch wird es erst, wenn ein Mensch (unabsichtlich) einen befallenen Floh verspeist. In diesem Fall würde sich ebenfalls ein erwachsener Bandwurm im Darm entwickeln.
Der kleine Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis ist bezüglich Form und Größe ein untypischer Bandwurm. Er wird nur ca. 3 mm lang und besitzt selten mehr als 5 einzelne Glieder.
Der kleine Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis ist bezüglich Form und Größe ein untypischer Bandwurm. Er wird nur ca. 3 mm lang und besitzt selten mehr als 5 einzelne Glieder.
Hunde, welche Dipylidien im Darm beherbergen, sind in der Regel nicht krank. Es braucht eine sehr große Anzahl ausgewachsener Stadien, damit Darmbeschwerden und Durchfall auftreten. Bei Hunden, welche nie entwurmt werden und gleichzeitig mit Floh- oder Haarlingsbefall zu kämpfen haben, können solche Symptome durchaus beobachtet werden. Um den Gurkenkernbandwurm erfolgreich zu beseitigen, muss deshalb sowohl mit einem geeigneten Wurmmittel, als auch mit einem Mittel gegen Flöhe und Haarlinge vorgegangen werden. Auf diese Weise wird sowohl die Eiausscheidung mit dem Hundekot unterbunden, als auch der Zwischenwirt eliminiert.
Der kleine gefährliche Fuchsbandwurm und wie er auf den Hund gekommen ist
Trotz seines Namens ist der kleine gefährliche Fuchsbandwurm, mit Namen Echinococcus multilocularis, nicht auf den Fuchs beschränkt, sondern kann auch im Darm von Hunden, seltener auch von Katzen gefunden werden. Die Entwicklung läuft, wie oben beschrieben über einen Zwischenwirt, in diesem Fall die Maus. Die Finnen können von Mäuse jagenden Hunden aufgenommen werden und entwickeln sich in deren Darm weiter. Wie bereits erwähnt, sind die ausgewachsenen Echinokokken nur wenige Millimeter groß. Die Bandwurmglieder, welche von den erwachsenen Würmern abgeschnürt werden und mit dem Kot an die Außenwelt gelangen, sind daher sehr klein und von bloßem Auge nur schwer zu erkennen. Oftmals bleiben sie am Fell des Hundes kleben. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn durch engen Kontakt mit Hunden kann sich auch der Mensch mit den Eiern des Fuchsbandwurmes anstecken. Der Mensch ist kein eigentlicher Zwischenwirt für Echinococcus, trotzdem können sich die Larven in der Leber, manchmal auch in der Lunge, im Knochenmark oder andern Stellen weiterentwickeln. Die Larven vermehren sich und formen blasige Gebilde, welche wie ein Tumor das Gewebe durchwuchern. Betroffene Personen müssen über sehr lange Zeit, manchmal sogar lebenslang mit Medikamenten behandelt werden, damit sich der Parasit nicht weiter vermehrt. Glücklicherweise treten solch schwere Fälle nicht allzu häufig auf: In der Schweiz erkranken pro Jahr ungefähr 10 Personen neu an diesem Parasiten. Dies ist ein klarer Hinweis dafür, dass nur wenige Leute empfänglich für den Fuchsbandwurm sind, denn es kommen viel mehr Personen mit Eiern in Kontakt, als schlussendlich erkranken. Wir gehen davon aus, dass in der Mehrzahl der Fälle die Larven bereits in einer frühen Phase abgetötet werden, so dass es gar nie zu einer Vermehrung und der damit verbundenen Erkrankung kommt.
Da nicht bekannt ist, welche Personen für diesen gefährlichen Parasiten empfänglich sind und welche nicht, ist es wichtig, von vornherein die Ansteckung zu verhindern. Das größte Risiko liegt nicht im Konsum von Waldbeeren, welche theoretisch mit Fuchskot verschmutzt sein könnten, sondern im engen Kontakt mit befallenen Haustieren. Daher ist es wichtig, die Hunde, vor allem in Regionen wo der Fuchsbandwurm sehr stark verbreitet ist, regelmäßig zu entwurmen. In Problemregionen mit vielen finnentragenden Mäusen, müssen jagende Hunde alle 3-4 Wochen behandelt werden, um eine Ausscheidung von Bandwurmgliedern und Eiern sicher zu verhindern. Hunde ohne Jagdambitionen sind weniger gefährdet, womit die Anzahl Entwurmungen pro Jahr entsprechend reduziert werden kann. Zu beachten ist, dass Mittel zum Einsatz kommen, welche auch tatsächlich gegen Echinokokken wirken. Präparate, welche gegen Spul- und Hakenwürmer verwendet werden, haben oftmals nur einen ungenügenden Effekt auf Bandwürmer. Die Beratung vor und zur Entwurmung durch die Tierärztin bzw. den Tierarzt ist daher sehr wichtig.
Maus mit Finnenstadien des kleinen Fuchsbandwurmes. Die Leber und andere Organe sehen aus wie sie von einem wuchernden Tumor befallen wären. Wird eine solche Maus von einem Hund gefressen, entwickeln sich in dessen Darm Hunderte von ausgewachsenen Echinokokken.
Wie finde ich heraus, ob mein Hund Würmer hat?
Ein Besuch beim Tierarzt ist angesagt, wenn der Verdacht besteht, dass ein Hund von Würmer befallen ist. Können wurmähnliche, bewegliche weißlich-gelbe Gebilde auf den Kothaufen festgestellt werden, so liegt der Verdacht auf Bandwurmbefall nahe. Ein Befall mit Rundwürmern, aber auch mit dem kleinen Fuchsbandwurm lässt sich leider nicht auf den ersten Blick feststellen. Dazu sind mikroskopische Untersuchungen von Kotproben notwendig, welche entweder in der Tierarztpraxis direkt, oder in einem spezialisierten Labor durchgeführt werden. Normalerweise genügt eine baumnussgroße Kotprobe für die anstehenden Untersuchungen. Empfehlenswert ist es auch, Bandwurmglieder, welche im Kot gefunden wurden, separat in ein kleines Gefäß mit Wasser zu legen und zur Abklärung abzugeben. Ein Befall mit dem kleinen Fuchsbandwurm kann nicht allein aufgrund der Ausscheidung von Eiern festgestellt werden, da diese mit Eiern von anderen, für den Menschen harmlosen Bandwürmern identisch sind. Werden solche Eier gefunden, muss ein Zusatztest mit dem Kot durchgeführt werden. Dieser wird nur von wenigen Labors angeboten und ist auch entsprechend teuer. Er ermöglicht aber eine saubere Abklärung des Befalls mit Fuchsbandwurm und sollte bei Unsicherheit in Problemregionen unbedingt eingesetzt werden. Kann vorbeugend eine Ansteckung von Hunden mit Würmern verhindert werden? Nur zum Teil, denn ein Hund mit Auslauf wird sich immer wieder einem gewissen Ansteckungsrisiko aussetzen. Jagt ein Hund Mäuse, so muss mit Bandwurmbefall gerechnet werden. Aber selbst Hunde, welche ausschließlich über Büchsennahrung oder gekochtes Fleisch ernährt werden, können sich, wie am Beispiel des Gurkenkernbandwurmes ersichtlich, über andere Wege anstecken.
Es geht in diesem Artikel nicht darum, den Eindruck zu erwecken, alle Hunde seien vollgestopft mit Würmern und entsprechend krank, bzw. eine Gefahr für den Menschen. Vielmehr sollten einige Beispiele von in der Schweiz vorkommenden Würmern dargestellt und die Maßnahmen zu deren Bekämpfung erläutert werden. Wenn man weiß wie ein Parasit "funktioniert", so weiß man in der Regel auch, wie man ihn wieder loswird. Entsprechend wird in der nächsten Ausgabe des Hundemagazins ein weiterer Artikel über Parasiten bei Hunden erscheinen. In diesem Beitrag wird es um kleine, einzellige Parasiten gehen, welche aber durchaus Schäden im Darm anrichten können.
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